Aufbruch und Ankunft
2023 habe ich für mich in drei Abschnitte unterteilt: Von Januar bis Februar in Mailand, von März bis August in Kopenhagen und von September bis Dezember back to the road.
In diesem Jahr ist viel passiert und doch fühlt es sich manchmal gar nicht nach “viel” an. Manchmal bleibt die Zeit einfach stehen in meinem Kopf, alles verschwimmt zu einem Gefühl zusammen und jetzt schaue ich darauf zurück und denke: “Ach wie schön, dass so viele schöne Dinge passiert sind und ich so viel über mich lernen durfte!”.
Mailand
Wintersonne. Herausfordernd. Laufen.

Die erste Woche im Januar waren wir unterwegs in unserem neuen Zuhause auf vier Rädern und sind in die Vergangenheit gereist. Wir sind an den Ort unseres Kennenlernen zurückgekehrt – nach Umbrien, Italien. Haben Freunde besucht, die wir lange nicht gesehen haben und sind an meinen Kindheitsort – den Bolsener See – gefahren. Wir haben die Zeit zu zweit genossen, die im Jahr 2022 zu knapp kam. Danach ging es zurück nach Mailand, wo wir den restlichen Januar und Februar verbringen durften.
Wir haben viel Zeit mit der Familie meines Freundes verbracht, die nach so langer Zeit auch meine Familie geworden ist. Habe sie in mein Herz geschlossen und verbinge gerne Zeit mit ihnen. Ich fühle mich einfach wohl in dieser Stadt. Dieses Mal fühle ich mich allerdings ein bisschen verloren und auch ausgelaugt. Wir haben zum Dezember 2022 hin unsere Arbeiten an Fantone (unserem Zuhause auf vier Rädern) beendet und hinter mir liegen sechs wirklich anstrengende und zugleich total aufregende Monate. Ich habe so viel gelernt, aber mental und zwischenmenschlich war es definitiv nicht immer leicht.
Ich wusste nicht so recht, was auf mich zukommt – wohin soll es gehen? Was möchten wir – was möchte ich? Wie lange bleiben wir in Mailand? Wie und wodurch möchte ich Geld verdienen?
All diese Gedanken fluteten meinen Kopf und ich war einfach überfordert. Ich habe mit dem Laufen angefangen und das tat gut. Ich habe es richtig genossen, früh aufzustehen, wenn alle noch in ihren Betten lagen, mir meine Leggins und mein Shirt zu schnappen und mich aus dem Haus zu schleichen, um meine Runden zu drehen. Nicht weit von unserem Haus ist ein riesiger Park, in dem ich mich auslaufen und meinen Gedanken freien Lauf lassen konnte.
Ich habe wieder einmal Yoga in meinem Alltag integriert und mit kreativen Arbeiten wie Stricken, Häkeln und Zeichnen angefangen. Es hat mir richtig Spaß gemacht, mich kreativ auszuleben. Generell bin ich eine Person, die es liebt, etwas mit ihren Händen zu erschaffen, auch wenn in meinem Kopf oft der Gedanke herrscht, dass ich gar nicht kreativ bin und alle anderen, das doch viel besser können.
Wir haben wertvolle Zeit mit Freunden verbracht, tiefe Gespräche geführt – philosophiert über unsere Träume und Ziele und sind in die Natur geflohen, um unsere Köpfe zu lüften.
Durch familiäre Umstände waren die ersten zwei Monate 2023 herausfordernd, nicht immer einfach und doch gab es schöne Augenblicke, Learnings und kreativen Einsatz, um diese Zeit zu stemmen und Positivität zu tanken.
Kopenhagen
Der Sommer der Morning Dips. Der Sommer des Entdeckens. Der Sommer der Leichtigkeit.

Im März machten wir uns auf in unser neues Abenteuer – nach Kopenhagen, um dort den Sommer zu verbringen.
Ich habe mich in die Stadt verliebt, als wir das allererste Mal in Kopenhagen gelebt haben (2019/2020). Ich hatte dieses Gefühl des Ankommens, dieses Gefühl vom Wohlfühlen, obwohl ich noch nie zuvor in Kopenhagen war. Eine Intuition.
Und doch bin ich wieder weggezogen und ich weiß nicht, ob ich mich wirklich hier niederlassen würde, da ich durch und durch ein Sommermensch bin. Aber die Stadt hat einen Platz in meinem Herzen erobert.
Wir haben uns also auf den Weg gemacht, die Fähre von Rostock nach Gedser genommen, um wenige Stunden später in Dänemark anzukommen. Im März herrscht noch eine eisige Kühle in Dänemark und ich war dankbar für unsere Heizung, die wir in Fantone eingebaut haben.
Den März haben wir damit verbracht, Dänemark zu erkunden, uns erneut in die Bürokratie des Landes einzuarbeiten und alle erforderlichen Dokumente zu besorgen – Bürokratie ist immer ein Punkt in neuen Ländern. Man muss sich informieren, wie es vor Ort abläuft, Behörden aufsuchen und Dokumente zusammensammeln.
Wir haben uns nach Möglichkeiten umgeschaut, wo wir für die nächsten Monate Fantone parken können, um darin zu leben und ihn während unserer Arbeitszeiten in Sicherheit zu wissen.
Ich bin zurückgekehrt zu meinen Lieblingscafés und habe den unglaublich guten Kaffee genossen. Ich bin weiter Laufen gegangen und sah mich schon jeden Morgen am Meer entlang joggen, mit der Sonne in meinem Gesicht. Ich habe Bewerbungen geschrieben, in Cafés nachgefragt, ob sie Personal suchen und auf Antworten gewartet.
Anfang April habe ich ein kleines Cafe am Meer entdeckt, das gerade wieder eröffnet hatte – fünf Gehminuten von unserem Stellplatz entfernt – und habe dort nachgefragt, ob sie Verstärkung im Team brauchen. Zwei Tage später hatte ich den Job. Nach unendlich vielen Bewerbungsschreiben und vergeblichen Antworten, freute ich mich ur darüber und der Standort war einfach perfekt.
Im nachhinein bin ich unglaublich Dankbar für diesen Arbeitsplatz. Das Cafe ist ein kleines Hausboot auf dem Meer, welches durch einen Steg mit dem Festland verbunden ist. Ich arbeitete also auf dem Meer, konnte jeden Abend einen wunderschönen Sonnenuntergang betrachten und arbeitete zudem Tagsüber was mir unglaublich gut tat. Häufig habe ich in meinen alten Jobs bis spät in die Nacht gearbeitet, weil es nunmal Restaurants waren, die am Abend lange geöffnet waren, allerdings ist dies überhaupt nicht meine Zeit. Ich bin eher Frühaufsteherin, aktiv am Morgen. Am Abend bin ich meistens ausgelaugt und habe nicht mehr viel Energie. Es hat mich richtig glücklich gemacht nun Tagsüber zuarbeiten, was viel besser zu meiner Energie passt.
Am Morgen ging ich am Meer entlang laufen, um danach nackt ins Meer zu springen, voller Lebensenergie und Vorfreude auf den Tag. Ich lebte hundert Meter vom Meer entfernt, in einem kleinen Zuhause, welches wir uns selbst gebaut haben und ich konnte zur Arbeit laufen – hab’s geliebt!
In diesen Monaten habe ich unglaublich viel über mich selbst gelernt. Ich bin eine Person, die sich die Arbeit immer sehr zu Herzen nimmt. Ich möchte alles perfekt machen und bei jeder Gelegenheit helfen oder Prozesse verbessern. Leider möchte ich dafür dann aber auch Anerkennung von meinen Vorgesetzten haben. Dies bringt mich selbst in eine sehr abhängige Position, die mich emotional unglaublich stresst und mir nicht gut tut. Ich kann mich nur schwer zurückziehen und den Dingen seinen Lauf lassen. Wenn etwas nicht funktioniert oder es Probleme bei der Arbeit gibt, möchte ich sie lösen, obwohl es gar nicht mein Unternehmen ist und manchmal auch gar nicht danach gefragt wird.
In diesem Sommer habe ich gelernt, mich zurückzuziehen und loszulassen, was unglaublich wichtig für meine mentale Gesundheit war. Ich habe gelernt, den Job Job sein zu lassen und mich bei der Arbeit zu engagieren und mein Bestes zu geben (denn das ist mir unabhängig von anderen Faktoren doch sehr wichtig), ohne dafür Anerkennung einheimischen zu wollen. Ich habe gelernt, dass die Probleme bei der Arbeit nicht meine Probleme sind und mich abzugrenzen mir unglaublich gut tut. Mein Gefühlszustand soll nämlich nicht vom Lob oder nicht Lob der anderen abhängen. (Zitat – Who cares what the other thinks important is what I think).
In den wenigen freien Tagen, die mir neben der Arbeit blieben, habe ich Kopenhagen erkundet. Bin auf Café-Suche gegangen und habe unglaublich viele neue Lieblingscafés gefunden. Habe neue Stadtteile erkundet, bin durch die Straßen mit ihren kleinen süßen Geschäften geschlendert und bin viel mit dem Fahrrad durch die Stadt gedüst.
Ich habe meine Kamera in die Hand genommen, Momente festgehalten und Freude am ausprobieren gefunden.
Ich habe in Kopenhagen unglaublich liebe Menschen kennengelernt, die ich in mein Herz geschlossen habe.
Ann-Sophie, anfangs nur eine Kollegin, aber ziemlich schnell wurde daraus eine Freundschaft, ein Austausch von Erfahrungen, das Erkennen, dass wir vieles gemeinsam haben und es lieben unsere Zeit in Cafes mit einem richtig guten Kaffee zu verbringen.
Vera – Kunststudentin in Kopenhagen und das Glück, gleichzeitig an einem Ort zu sein. Ich bin unglaublich dankbar, diesen wundervollen, offenen und positiven Menschen kennengelernt zu haben. Wir haben Cafes erkundet, sind zusammen durch Kopenhagen geschlendert, haben uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und über das Leben philosophiert. Ich durfte von ihr eine andere Sicht auf das Leben lernen, neue Erkenntnisse erobern und mehr selbstvertrauen aufbauen – Danke Vera für deine Zeit in meinem Leben.
Außerdem durfte ich mit ihr einen Audiowalk realisieren, den sie für ihr Kunststudium erarbeitet hat. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und mir einen kleinen Lichtblick gegeben, wo es in Zukunft vielleicht hingeht. (LINK)
Meine Chefin, von der ich mich erst loslösen musste, bevor ich sie in mein Herz schließen konnte. Unglaublich lieber Mensch, für jeden Witz zu haben und unglaublich unterstützend.
Danke, dass ihr alle meinen Weg gekreuzt habt. Ich werde euch nicht vergessen!
Diese Zeit hat mich geprägt, so viel mehr als ich gedacht hätte.
Es waren unglaublich schöne Monate. Ich bin Dankbar, dass Kopenhagen ein weiteres Mal seine Türen für mich geöffnet und mich in seine Arme geschlossen hat. Diese Stadt inspiriert mich, sie hat mir so viel gegeben und mir neue Herzensmenschen geschenkt.
Back to/on the road
Unterwegs auf vier Rädern. Richtung Süden. Dem Sommer entgegen. September. Abschiede und zurückgewonnene “Freiheit”.

Die erste Septemberwoche nutzen wir dafür, Fantone für den großen Aufbruch vorzubereiten, sozusagen einen Herbstputz zu machen, damit wir frisch und mit guter Energie starten können.
Ich nutze die Zeit, um mich zu verabschieden, von meinen Lieblingsplätzen und Lieblingscafes, vom Meer – meinem täglichen Begleiter und vor allem von den Menschen.
Wir nutzen die Zeit, um wieder mehr Zeit zu zweit zu verbringen, die mal wieder zu kurz kam bei unserem Arbeitsmarathon.
Und dann hieß es Abschied nehmen. Aufzubrechen in ein neues Abenteuer – in den Traum, den wir uns erschaffen haben.
Unser Ziel: Portugal – den Winter im Süden Europas verbringen.
Ein paar Tage haben wir noch an der Westküste Dänemarks verbracht. Sind über Hamburg weiter in die Niederlande nach Amsterdam gefahren – mein erstes Mal in Amsterdam! Ich habe es geliebt. Haben Freunde in Eindhoven besucht und die Landschaft Hollands erkundet. Alles war noch so grün und ländlich – ein Traum.
Danach ging es über Belgien nach Frankreich. Ein Monat haben wir an der Nordküste Frankreichs verbracht . Haben uns neue Städte und Orte angeschaut. Sind im Meer baden gegangen und haben uns von der zurückliegenden Saison erholt. Haben lange Spaziergänge und kleine Wanderungen gemacht und unsere Zeit zu zweit genossen. Haben uns durch verschiedene Käsesorten ausprobiert und eine Menge Baguettes und Croissants gegessen.
Dune du Pilat war unser letzter Stop in Frankreich und der Ort hat uns mit 30 Grad und Sonne begrüßt. Zweihundert Meter hohe Dünen besteigen und ein letztes Bad im Ozean. Fantone abfahrbereit machen und vier Stunden an die spanische Grenze fahren.
An der spanischen Nordküste haben wir einen weiteren Monat verbracht. Nordspanien hat mich landschaftlich so abgeholt, die Zeit dort war einfach schön und energieauftankend und steht definitiv auf meiner Reiseliste, um noch tiefer in Regionen und die Kultur eintauchen zu können.
Anfang November sind wir in Portugal angekommen, ein wenig kühler und regnerischer als gedacht, sind wir gleich in den Süden weitergefahren und heben uns den Norden für das nächste Frühjahr auf.
Wir haben uns ein Workaway (Volontärarbeit im Austausch für Essen und eine Unterkunft) gesucht und hatten das unglaubliche Glück eine liebe, inspirierende und mutige Person kennenzulernen, mit der wir zwei wundervolle Wochen verbracht haben. Diese Zeit war so inspirierend für mich und hat mir unglaublich viel gegeben. Ich durfte neue Menschen und Tiere kennenlernen und habe eine neue Person in mein Herz geschlossen.
Lissabon – aufregend, beruhigend, schön.
In Lissabon bin ich vier Tage durch die kleinen Gassen geschlendert, habe Stadtberge beklommen, die Aussicht genossen, neue Cafés entdeckt, mich inspirieren lassen und bin abends müde und zufrieden ins Bett gefallen.
Auf dem Weg in die Algarve haben wir Nationalparks gestreift, an Klippen zum Meer gestanden – bei Tag den Wellen zugeschaut und nachts den Sternenhimmel betrachtet. Unser erstes eigenständiges Lagerfeuer zelebriert und kleine Orte besucht. Standen hoch oben in den Hügeln Portugals und haben aufs Meer und die Städte hergeschaut.
Und ich habe an meinen Träumen gearbeitet.
Mein Jahr 2023 war Ereignisreich – geprägt von Aufbrüchen und Ankünften. Ich bin unglaublich Dankbar für dieses Jahr. Ich durfte so viel über mich selbst lernen und neue herzensmenschen kennenlernen. Mein Traum vom unterwegs sein, in unserem zu Hause, neues zu erkunden und den Winter im warmen zu verbringen, ist in Erfüllung gegangen und alles weitere wird kommen.



