
Über das Loslassen
“Wachstum bedeutet manchmal, unsere Träume oder sogar uns selbst loszulassen, all die Sicherheiten unserer Pläne aufzugeben, um wirklich frei für ein neues Kapitel zu sein. Es bedeutet, seinen Enttäuschungen ins Auge zu sehen und neue Strategien zu entwickeln. Es bedeutet, loszulassen. Es bedeutet, Neues zu wählen. Es bedeutet, neue Opfer zu bringen.”
– Lina Mallon – 30 Moments
Der Herbst ist da, der Winter steht schon in seinen Stiefeln und möchte uns mit seiner Ruhe und Kälte begrüßen, aber wir drücken uns noch, ziehen immer noch unsere Sommer-Sneakers an und sind noch nicht vollkommen committed zu unseren Winterjacken.
Nie zuvor habe ich den Wechsel der Jahreszeiten so sehr gefühlt wie dieses Jahr und damit den inneren Drang loszulassen – loszulassen und mich der kommenden Jahreszeit zu stellen. Den Sommer gehen zu lassen und den Herbst willkommen zu heißen. Mehr in mein Inneres zu schauen und zuzuhören, als auf die laute Welt da draußen.
Ich verspüre einen Drang loszulassen – Gedanken, Sorgen, Zweifel, eine alte Haut abstreifen und zum jetzigen Moment zu surrendern, zu akzeptieren, dass ich einen Winter vor mir habe und kein südliches Winterwetter.
Lange hat sich mein Kopf gesträubt, will gegen Tatsachen ankämpfen und nicht akzeptieren, dass ich jetzt hier bin. Er klammert sich an Ideen und Tagträumen fest und kann sich dem Jetzt noch nicht hingeben.
Ich prokrastiniere, versuche zu verdrängen und scheitere, denn es wirbelt in meinem Kopf und hört nicht auf. Und mit der Zeit geht es mir schlechter – mental und physisch, denn ich komme nicht ins machen, arbeite nicht an meinen Träumen, fühle mich blockiert. Ich versuche zu analysieren, woher diese Gefühle kommen und scheitere. Anstatt einfach anzufangen, lenke ich mich ab. Ich will alles – jetzt sofort oder gar nicht. Alles muss perfekt sein – Jetzt.
Ich will keine Schwere empfinden, während ich schreibe. Ich denke, da sollte doch dieses Gefühl der Leichtigkeit und des Flows zu spüren sein – Pustekuchen. Es ist nicht leicht und vor diesem Gefühl drücke ich mich, nur um zu realisieren, dass es nicht leichter wird, sondern meine Seele nur deprimierter und schwerer.

Doch es ist Zeit – Zeit loszulassen – und dem Jetzt zu huldigen, ihm sich hinzugeben und auch diese Jahreszeit mit offenen Armen zu empfangen.
Loslassen – vor allem meine Erwartungen an mich selbst.
Ich möchte den Druck loslassen, den ich mir selber mache und der mich innerlich blockiert. Ich möchte versuchen, einfach zu machen, anstatt perfekt zu sein, denn ich bin alles andere als perfekt.
Erwartungen loszulassen, mir zu vertrauen, mir selbst mit Ehrlichkeit zu begegnen und die Augen nicht mehr zu verschließen.
Zu akzeptieren, dass ich noch nicht dort bin, wo ich gerne sein würde, noch nicht erreicht habe, was ich erreichen wollte. Akzeptieren, dass das in Ordnung ist. Das hier ist ein Anfang. Ein Anfang für mich, mich da raus zu trauen, mich zu zeigen, nichts zu predigen, sondern einfach nur ich zu sein, einfach aus dem Wunsch heraus zu schreiben, kreativ zu sein und etwas zurückzugeben.
Ich suchte mir Meditationen übers surrendern und kreierte eine abendliche Meditationsroutine und mit jedem Mal fühlte ich mich ein kleines bisschen leichter, mein Kopf ein bisschen weniger schwer, meine Gedanken kamen zur Ruhe, im Trubel der Stadt.
Ich versuchte mich in meinem Alltag zu erinnern dem Universum zu vertrauen, mich dem hinzugeben, was um mich herum geschah und zu akzeptieren, dass zwar gerade nichts nach (meinem) Plan verläuft, doch irgendein anderer Plan schon am Gange sei, nur eben anders.
Und mit meiner Praxis mich dem Jetzt hinzugeben und so oft es geht in diesen mental stage einzutauchen, sich der Situation hinzugeben und nicht immer gegen alles und jeden ankämpfen zu wollen – vor allem gegen mich selbst, stellte sich eine innere Ruhe ein. Keine konstante, immer anwesende Ruhe, doch Momente der Stille, Momente des Absorbierens und des Beobachtens.
I surrender completely and I let go of all control
